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Das Ding mit dem Fuchsbandwurm…

Beim Gedanken an den Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) bekommen einige Leute fast schon Panik, denn wie oft hat man als Kind gehört „Iss keine Beeren aus dem Wald -Da könnte der Fuchsbandwurm dran sein„. Man hörte und hört es auch heute noch so oft, dass man meinen könnte, tägliche infizierten sich aber tausende Menschen mit diesem Parasit. Doch betrachten wir uns das ganze doch mal genauer:

 

 

Was ist der Fuchsbandwurm und wo kommt er vor?

Rotfuchs (Vulpes vulpes)

Der Fuchsbandwurm ist ein Parasit, dessen Hauptwirt Füchse sind (häufig der Rotfuchs „Vulpes vulpes“) aber auch Hunde werden öfters befallen, der Befall von Katzen kommt eher selten vor, aber auch hier gibt einige gemeldete Fälle. Er parasitiert in seiner adulten Form hauptsächlich im Darm des Hauptwirtes. Als Zwischenwirt dienen dem Fuchsbandwurm einige Nagetiere. Er ist mit wenigen Millimetern einer der kleineren Arten des Bandwurms. Durch die Gebundenheit an seinen Hauptwirt kommt der Fuchsbandwurm nur in den Gebieten vor, wo es auch Füchse gibt. Das Habitat des Fuchsbandwurms erstreckt sich fast über die gesamte Nordhalbkugel

 

 

Wie verbreitet sich der Fuchsbandwurm?

Für seine Vermehrung benötigt er einen Raubtier- und einen Beutewirt, hierbei durchwandert einen gewissen Lebenszyklus, dieser Beginnt im Darm des Hauptwirtes (Raubtier). Hier legt der Fuchsbandwurm Eier, die über den Kot des Wirtes ausgeschieden werden und somit in die Natur gelangen. Hier nimmt im Idealfall ein geeigneter Zwischenwirt (Beute= Nagetier, Maus/Ratte) die Eier auf und infiziert sich somit. Man vermutet das die Magensäfte des Zwischenwirtes die Larve aus dem Ei zum schlüpfen bringen. Hat die Larve den Darm des Zwischenwirtes erreicht durchdringt sie diesen, gelangt in die Blutbahn und befällt nun die Leber oder seltener auch andere Organe. In der Leber angelangt setzt sich die Larve hier fest und ernährt sich vom Zwischenwirt selbst. Dieser wird durch die hervorgerufene Infektion geschwächt und somit zu einem geeigneten Beutetier für den Hauptwirt des Fuchsbandwurms – den Fuchs. Selbst wenn der Zwischenwirt durch die Schwächung stirbt und erst später gefressen wird, bleiben die sogenannten „Finnen“, also die infektiösen Larven des Fuchsbandwurms noch ansteckend.  Hat ein Fuchs einen infizierten Zwischenwirt aufgenommen, gelangt das vorletzte Stadium der Larven in den Verdauungstrakt des Fuchses, heftet sich dort an die Darmwand und der Lebenszyklus beginnt von neuem. In seinem Hauptwirt verbleibt der Fuchsbandwurm und ernährt sich durch den Nahrungsbrei im Darm. Ein Fuchs kann durchaus mit einigen vielen Exemplaren infiziert sein, ohne das er beeinträchtigt wird. Das Ziel des Fuchsbandwurms ist möglichst lange im Hauptwirt zu verweilen um möglichst viele Eier freizusetzen. Die Eier des Fuchsbandwurms sind extrem widerstandsfähig und können so lange Kälte Perioden überstehen und infektiös bleiben.




Wie infizieren sich Menschen?

Glaubt man der landläufigen Meinung, infiziert man sich mit dem Fuchsbandwurm durch das Essen von Wildkräutern, Beeren oder Pilzen aus der direkten Natur. Hierfür gibt es bei weitem nicht genügend Belege. Die am meisten infizierten  Menschen stammen aus dem landwirtschaftlichen Bereich oder sind Besitzer von Hund oder Katze. Generell ist die Infektion nur durch die direkte Aufnahme der Fuchsbandwurm Eier möglich, die durch infizierten Kot in die Umwelt gelangen. Bei Landwirten wird vermutet, dass beim mähen von Weiden die aufgewirbelten Eier inhaliert und verschluckt werden und so in den Verdauungstrakt gelangen. Man geht ebenfalls davon aus, dass der Mensch sich meistens durch eine Dauerexposition infiziert also selten bis gar nicht durch einmalige Aufnahme sondern mehrfache Aufnahme der Eier führt zur Erkrankung.

 

 

Warum ist der Fuchsbandwurm für den Mensch gefährlich?

Der Fuchsbandwurm ist natürlich bestrebt sich fortzupflanzen, dies kann er nur durch die auf die eigene Lebensweise angepassten, optimalen Wirte. Der Mensch ist hierbei ein Fehlwirt, denn die Wahrscheinlichkeit, dass er vom menschlichen Körper zu seinem Hauptwirt gelangt, ist gleich Null. Infiziert der Fuchsbandwurm den menschlichen Organismus, löst er die sogenannte alveoläre Echinokokkose aus. Hierbei gelangt der Parasit ebenfalls wie beim Zwischenwirt nach der oralen Aufnahme durch die Darmwand in den Blutkreislauf und hier rüber in die Leber oder seltener andere Organe.  Im Organ angekommen bilden sie sich zu Zysten weiter und breiten sich aus. Auf den kleineren sogenannten „Primär Zysten“ bilden sich weitere Zysten, diese wiederum werden als „Tochter Zysten“ bezeichnet. Diese Tochter Zysten sind die Finnen – also das nachfolgende Entwicklungsstadium, welches nun im eigentlichen Zyklus durch den Hauptwirt wieder aufgenommen werden würde.
Die Finnen können sich durch das Blut und Lymphsystem im Körper, ähnlich wie Krebs durch metastasieren, ausbreiten und weitere Organe befallen.
Die Inkubationszeit, also die Zeit von Aufnahme bis auftreten der ersten Symptome beträgt ganze 5-15 Jahre.  Ist ein Mensch infiziert, geht von Ihm trotz allem für andere Menschen keine Gefahr aus, da er nicht als Hauptwirt dient und somit keine Eier ausscheidet.




 

Wie wird die Infektion des Menschen mit dem Fuchsbandwurm erkannt?

Das die Infektion am Anfang ohne Beschwerden abläuft,  wird eine Infektion meist erst relativ spät erkannt. Die alveoläre Echinokokkose kann schon im sehr frühen Stadium, also vor den ersten Symptomen, durch Antikörper Tests nachgewiesen werden. Zur Abklärung des Stadiums sowie spätere Erkennung, erfolgt meist durch Ultraschall, Computertomographie oder Magnetresonanztomographie (MRT).

 

 

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit sich zu infizieren?

Gering! Und zwar sehr! Da die alveoläre Echinokokkose zu den meldepflichtigen Erkrankungen gehört, kann man in den Jahresberichten des Robert Koch Instituts vielfältige Daten finden.  Im Jahr 2015 gab es Bundesweit 41 gemeldete  Fälle der alveolären Echinokokkose 2014 waren es 25 Fälle. Hinzu kommen noch nicht genauer differenzierte Echinokokkose Infekte und nicht gemeldete Infektionen. Man schätzt das die Dunkelziffer ca 60-70% höher liegt als die Tatsächlich gemeldeten Fälle.
Selbst wenn man alle Fälle inklusive wahrscheinlich nicht gemeldeter pro Jahr zusammen nimmt, ist die Wahrscheinlichkeit äußerst gering.
Durch verschiedene Studien wurden Risikogruppen herauskristallisiert. Hierzu zählen vor allem Landwirte, Forstarbeiter oder Personen die häufig Gartenarbeit nachgehen. Ebenso sind Hunde und Katzenhalter gefährdeter. Die meisten Infektionen werden im südlichen Deutschland wie Baden-Württemberg oder Bayern festgestellt, auch Österreich und Schweiz gelten als Risikogebiete. Norddeutschland hat meist nur sehr wenige Fälle, meist sogar nur einen oder zwei pro Bundesland.

 

 

Ist alveoläre Echinokokkose heilbar ?

Hierzu kann man nur sagen – Jein. Da die Erkrankung meist erst in späten Stadien erkannt wird, ist sie oft so weit voran geschritten, dass nur noch eine Lebenslange Chemotherapie das Wachstum verlangsamen und hemmen kann. Bei frühen Stadien können operative Eingriffe, die ähnlich einer Tumor Entfernung durchgeführt werden, und anschließende medikamentöse Therapie  zur Genesung führen. Da die Chemotherapie oftmals mit hohen Nebenwirkungen einhergeht, muss diese oftmals beendet werden, da die Nebenwirkungen stärker wiegen als das eigentliche Leiden. Meistens endet die Infektion mit alveolärer Echinokokkose tödlich.
Ein Nachteil der Seltenheit der Erkrankung ist hierbei, dass wenig geforscht wird, dies liegt vermutlich daran, dass durch die wenigen Fälle ein finanzielles Interesse an neuen Medikamenten fehlt. Es besteht aber sehr wohl eine gewisse Dringlichkeit an neuen Medikamenten und Heilmethoden.

 

 

Gibt es Maßnahmen die ich treffen kann, um eine Infektion zu vermeiden?

Es wird angeraten, dass Menschen die sich viel in gefährdeten Gebieten wie Wald, Wiese, Garten oder in anderen Gebieten wo infizierte Füchse auftreten können aufhalten, besonders auf Hygiene achten. Gesammelte aber auch gekauftes Gemüse, Obst etc. dem infiziöse Eier anhaften können, sollten möglichst gut gewaschen werden um eine Kontamination zu minimieren.
Sollte man gesammeltes, kochen oder anderweitig Garen, sinkt das Risiko sich durch den Verzehr von Pflanzen oder anderem anzustecken, da die Eier bei Temperaturen von über 60°Celsius absterben. Ebenfalls ist es möglich, das Risiko zu verringern, indem man Früchte nicht direkt von Bodennähe sammelt sondern etwas höher am Baum oder Sträuchern.
Unter Pilzsammlern gibt es manche, die die Huthaut vor Geschmacksproben (zur Bestimmung – nicht immer empfehlenswert!) abziehen um eventuelle Kontaminationen somit „abzulösen“, da der Fuchsbandwurm natürlich auch an anderen Stellen haften kann ist dies aber auch umstritten.

 

 

Was ist mit Supermarkt Obst/Gemüse/Salat?

Das kommt immer darauf an, wird die Pflanze im Freiland gezogen, ist natürlich auch hier eine Kontamination mit Fuchsbandwurm Eiern möglich, da Füchse auch vor solchen Plantagen nicht halt machen. Auch die mittlerweile weit verbreiteten „Erdbeeren zum selber Pflücken“ gelten nicht automatisch als Fuchs freie gebiete.
Auch hier sollte Gemüse, nicht zu letzt auch wegen möglichen Pestiziden etc., gut gewaschen werden. Stammen die Pflanzen aus Gewächshäusern ist eine Kontamination eher unwahrscheinlich.

 

Zusammenfassend sei also gesagt:
Eine Infektion mit den Fuchsbandwurm ist alles andere als harmlos, doch die Wahrscheinlichkeit verschwindend gering. Sollte man zu einer Risikogruppe gehören, kann man natürlich regelmäßige Kontrolluntersuchungen zum Abklären durchführen lassen.
Ob man jetzt in Panik verfällt und im Schutz-Anzug durch den Wald rennen muss oder seine Lebensmittel vorher liebevoll mit Chlorbleiche behandelt, ist jedem selbst überlassen. Man kann die oben genannten Möglichkeiten zur Vorbeugung in betracht ziehen, um das Risiko weiterhin zu minimieren.

 




Quelle Infektionszahlen:

Infektionsepidemiologisches Jahrbuch – Robert Koch Institut Berlin:  http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Jahrbuch/jahrbuch_node.html

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