Die Natur und ihre Gifte Teil 4- Colchizin der Herbstzeitlose

Ein vermeintlich hübscher Krokus, so meint mancher, wenn er die Blüte der Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) vor sich sieht. Doch ist diese Pflanze eine der giftigsten Vertreter in unseren Breiten.
Herbstzeitlose enthalten eine breite Mischung an giftigen Alkaloiden. Eine der giftigsten hierbei, ist das Colchicin, dessen lethale Dosis bei gerade einmal 0,8mg/kg Körpergewicht liegt. So reicht theoretisch eine Menge von 56 mg Colchicin
für einen 70 Kilogramm schweren Menschen. Der Gehalt an Colchicin in Herbstzeitlosen ist relativ hoch, er variiert je nach Pflanzenteil und Reifegrad der Pflanze zwischen 0,03 und 1,8% was zur Folge haben kann, dass selbst 50 Gramm der Pflanze schon tödlich wirken können!

Die Vergiftungserscheinungen treten verzögert in einem Zeitfenster von wenigen Stunden auf. Hierbei kommt es zu Brennen im Mund, Übelkeit, Erbrechen, Atemnot und blutigem Durchfall. In 90% der Fälle endet eine schwere Vergiftung mit Colchicin tödlich und selbst wenn nicht, führt es zu schweren, irreparablen Schäden an den Nieren.

 

Nun wie wirkt denn Colchicin? Vereinfacht gesagt hemmt das sogenannte Mitosegift der Herbstzeitlosen den Vorgang der Zellteilung (Mitose) und hat somit fatale Folgen für diese. Trotz der Hemmung, teilt sich die Zelle. Hierbei entsteht eine Zelle mit intakten und eine ohne Zellkern. Die vermeintlich gesunde Zelle mit Kern  tritt nun in eine Phase ein, die zwischen zwei Mitose Phasen liegt. Hierbei entsteht eine sogenannte Polyploidie, das bedeutet, dass die Zelle mehr als einen Satz Chromosomen besitzt, die Zelle stirbt hierdurch ab.
So entstehen keine lebenswichtigen neuen Zellen mehr. Der nach schweren Vergiftungen oft nicht mehr vermeidbare Tod, tritt durch einen Atemstillstand ein.

Doch was für ein Säugetier meist tödlich endet, wird sich in der Pflanzenzucht zu nutzen gemacht. Dort ist Colchicin unerlässlich und wird mit seiner Mitose hemmenden Wirkung für die Zucht größerer Pflanzen verwendet.

Eine Gefahr besteht für Bärlauch Sammler – hier gab es bereits Verwechslungen mit den Blättern der Herbstzeitlosen oder sie wurden anderweitig in Kräuter Salaten verwendet.

Auch in der Medizin findet Colchicin positive Anwendung bei bestimmten Beschwerden, diese müssen aber unbedingt in Beachtung von Höchstdosis und starker Kontrolle von Fachpersonal gereicht werden, da es sonst ebenfalls zu fatalen Nebenwirkungen oder Vergiftungen kommen kann.

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