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Trinkhörner selbst herstellen

Vom Roh-Horn zum Trinkhorn:

Mehr über das Material Horn -> https://mortalitas.eu/?p=229

Material:

  • Rinderhorn
  • Leinöl
  • H2O2 
  • Staubschutz (Wichtig!)
  • Stück Wildleder (optional für die Politur)
  • Gebissreiniger 
  • Alter Kochtopf

 

Werkzeug:

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Das Roh-Horn:

Es kommt zu Anfang darauf an, ob ihr ein bereits vorbereitetes Roh-Horn besitzt oder ein noch frisches, mit festsitzendem Knochenzapfen.

Der Knochenzapfen ist der Teil des Hornes, der im Horn steckt und ähnlich wie beim menschlichen Haar, die Hornsubstanz bildet. Dieser Teil ist der einzige „lebende“ Teil am Rinderhorn, das später abgelöste Horn selbst ist rein aus Hornplatten bestehend.

Solche Hörner bekommt man mit etwas Glück von Schlachthöfen oder Hausschlachtereien, da der Knochenzapfen aber vom Schädel gesägt werden muss, bedeutet dies zusätzliche Arbeit und wird nicht sehr gerne gemacht. Oftmals fliegt also der gesamte Kopf einfach auf den Müll.

Solltet ihr ein Horn mit Knochenzapfen haben, so müsst ihr diesen erst herauslösen. Hierfür gibt es zwei geeignete Methoden.

Auskochen

Auskochen

 

Durch das Auskochen des Hornes kommt man am schnellsten an sein Ziel, hierbei wird das Horn in kochendem Wasser von Knochenzapfen gelöst. Durch das heiße Wasser wird das Fett im inneren weich und geschmeidig, je nach Größe des Hornes muss man längere Zeit kochen um den Zapfen leicht lösen zu können. Hierfür benutzt man einfach eine Zange (Rohrzange) greift am knöchernen Teil des Zapfens mit der Zange an und mit der Hand, bitte aufpassen heiß, an das Horn. Hau Ruck! Ziehen! Sollte sich der Zapfen nun leicht lösen lassen, alles richtig gemacht. Ist der Zapfen nun immer noch sehr schwergängig, lohnt es sich mit einem Spitzen Messer zwischen Horn Zapfen und Horn ganz vorsichtig etwas aufzuhebeln. Es kann auch Hilfreich sein, den Fettrand mit dem Messer abzuschneiden, damit das heiße Wasser zwischen Zapfen und Horn dringen kann.

Hebeln mit dem Taschenesser

Hebeln mit dem Taschenesser

Dies darf man nicht zu beharrlich tun, um die Hornsubstanz nicht zu beschädigen. Löst es sich weiterhin nicht, kann leichtes klopfen mit dem Knochenzapfen auf Stein Abhilfe schaffen. Hilft auch das nicht, muss eventuell einfach noch etwas länger gekocht werden.

Gezogener Hornzapfen

Gezogener Knochenzapfen

Austrocknen/ Ausfaulen

Die langfristige Methode, auch die schlechter riechende, ist austrocknen oder ausfaulen lassen. Hierzu stellt man das Horn mit der flachen Seite nach unten. Einfach an eine Stelle, die Wetter und Wildtier geschützt liegt und der Natur ihren Lauf lassen.

Dies sollte man nur tun, wenn man eine freie Stelle in der Natur sein Eigen nennen kann und niemand durch den Geruch belästigt. Durch Insekten wird der Fettanteil, der Horn und Zapfen verbindet weggefressen. Ist dies geschehen, trocknet der Zapfen aus und fällt fast von selbst aus dem Horn. Aus eigener Erfahrung, mag die Prozedur noch so widerlich klingen, ist das Horn danach wesentlich „sauberer“ als durch das auskochen, der weitere Vorteil: Die Hornsubstanz wird vom kochen nicht angegriffen. Der Nachteil hierbei ist, dass das Austrocknen sehr lange dauern kann und sich der Zapfen manchmal nicht lösen möchte. Dies ist gerade in der kalten Jahreszeit der Fall, da die Insektenaktivität geringer ausfällt.
Lagert man das Horn falsch und es befindet sich zu viel Feuchte am abgesägten Ende, kann sich Schimmel bilden, der das Horn angreift.

Hornzapfen und Rohhorn

Links der Knochenzapfen, rechts die Hornhülle

Reinigen

Sowohl nach dem Auskochen als auch nach dem Austrocknen lassen, muss das innere des Hornes ausgereinigt werden. Beim Kochen und auch austrocknen lassen bleiben im inneren einige Fettreste zurück, die entfernt werden müssen, um ranzen oder andere zu verhindern. Am besten nutzt man hierfür lauwarmes Leitungswasser und Gebissreiniger Tabletten. Das Horn stellt ihr aufrecht hin, am besten anlehnen, danach Wasser und Tabs rein und in Ruhe sprudeln lassen. Tipp: Mineralwasser sorgt für noch mehr Reinigungskraft. Diese Mischung eine Weile stehen lassen. Danach sollte man mit einer möglichst, je nach Länge des Hornes, langen Flaschenbürste das Innere des Hornes bearbeiten. Eine weitere Behandlung mit den Tabs kann nicht Schaden, um auch die letzten Fettreste gelöst zu bekommen. Das Horn hiernach auskippen und zum Trocknen mit der Öffnung nach unten aufstellen.

Desinfizieren

Im Inneren des Horns können, besonders nach dem Ausfaulen, unheimlich viele, nicht gewünschte Bakterien anhaften. Das Innere des Hornes muss nun also desinfiziert werden. Hierfür verwende ich Wasserstoff Peroxid (H202) in den Konzentrationen 1,9 % – 3 %. Da man je nach Größe des Hornes natürlich eine beachtliche Menge braucht, ist es sinnvoll eine höhere Konzentration im Liter Gebinde zu kaufen und auf die gewünschte Konzentration herunter zu mischen. Man darf keinesfalls zu lange mit H2O2 ausreinigen, da bei zu langem einwirken die Maserungen im Horn ausgebleicht werden.


ACHTUNG: Wasserstoffperoxid, besonders in stärkeren Konzentrationen, greift extremst Haut, Schleimhaut, Augen und auch Stoffe an! Man sollte hier mit höchster Vorsicht und Schutzmasnahmen und auf eigene Gefahr vorgehen! Gefahren- und Entsorgungshinweise unbedingt beachten! Weitere Informationen zum Thema H202 bekommt man auch in der Apotheke!


Wenn das Horn fertig gereinigt und desinifziert ist, muss es Innerlich versiegelt werden. Manche verwenden Lebensmittelechte Lacke. Ich versiegele, in dem ich mit wenig heißem Wasser und viel Leinöl das Horn ausschwenke und schüttele.

 

Wer das Horn ausgekocht hat muss dies nun erst einige Tage trocknen lassen, da die Hornsubstanz durch das auskochen sehr weich geworden ist. Dies tut man am besten an einer gut belüfteten Stelle ohne direktes Sonnenlicht. Der „Kuh-Geruch“ der noch im und am Horn teilweise herrscht ist vollkommen normal.

 

Die erste Bearbeitung

Zuerst soll man das Horn an der großen Öffnung gerade Absägen hierbei am besten Knochen- oder Eisensäge verwenden.

danach gilt es, das Horn in eine relativ glatte Form zu bringen, Messer oder Skalpell eignen sich am besten grobere Hornplatten und Risse zu entfernen. Vorsichtig arbeiten und lieber erst zu wenig als zu viel wegschnitzen. Hat man das Horn soweit „Glatt“ folgt der nächste Schritt.

 

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Unbearbeites Horn mit sehr schuppiger Aussenschicht.

Die Feinarbeit


Beim schleifen ist ein Mundschutz sehr wichtig, um den entstehenden Hornstaub nicht einzuatmen!


Nun muss geschliffen werden. Man beginnt mit niedriger Körnung (40er/60er) um letzten gröbere Schuppen zu entfernen, wem dies von Hand zu schwierig ist kann auch zu maschineller Hilfe greifen. Sobald man die Oberfläche ebenmäßig geschliffen hat, folgt die nächst feinere Körnung (80er/100er/120er) ich selbst schleife in folgender Körnung:
40, 60,80,120,320, 400, 600 und 1000.
Es kann nicht schaden, zwischen den Schleifgängen dem Horn eine Ruhepause zu gönnen und es großzügig mit Leinöl einzureiben. Hierbei erkennt man auch sehr gut, falls noch größere Macken oder Vertiefungen vorhanden sind. Nach dem Schliff mit 1000er Körnung ist das Horn schon sehr glatt und glänzend. Nun kann man mit noch feinerer Körnung schleifen oder zu Polierscheiben greifen. Jetzt muss das Horn nur noch versiegelt werden. Äußerlich funktioniert dies wunderbar mit Leinöl, hinterher noch eine Schicht reinen Bienenwachs. Ich poliere die Hörner als finish mit einer Politur aus Bienenwachs, Leinöl. Zum Auftragen wird ein altes Stück Wildleder verwendet…

Und Fertig ist das eigene Trinkhorn!

 

 

 

 

 

 

 

Letzte Aktualisierung am 15.01.2021 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Luca

Luca

Mein Name ist Luca, ich bin Jahrgang 90 und Natur begeistert seit frühster Kindheit. Nebenher bin ich auch Teilzeit-Chaot und versuche aus meinem "Trial and Error" Prinzip Erfahrungen zu gewinnen die ich weitergeben kann. Auch als Natur- und Umweltpädagoge lässt man mich manchmal auf die Menschheit los mit dem Ziel den Leuten die Natur näher zu bringen.
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