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Von Nützlingen und Schädlingen

Wer einen Garten oder Balkon sei eigen nennt und Gemüse, Obst oder auch Blumen anbaut, der kann oft auch Insekten beobachten.
Häufig fragt man sich dann:

Wer ist Nützling? Wer ist Schädling?

Nicht alles lässt sich hier in Kategorie A oder B einteilen. Auch ist nicht jeder Nützling immer ein Nützling, nicht jeder Schädling gleich ein Schädling. Generell brauchen viele der Helfer auch die, die wird im Garten als Feinde ansehen denn sie dienen Ihnen als Nahrung oder gar als Wirt. Im Endeffekt steht vieles in einem Jäger – Beute Verhältnis. Von der Natur genau so vorgesehen, um sich selbst zu regulieren. Das funktioniert aber nur in gesunden Ökosystemen mit nicht zu herben eingriffen in die umgebenden Faktoren.
Ein regulierendes Gleichgewicht herzustellen, ist nicht immer einfach und erfordert so manches Mal auch Geduld. Betrachten wir als Beispiel einfach unseren Garten. Würden wir mit Lupe oder ganz offenen Augen uns mal jede Ecke und Pflanze betrachten wären wir meist erstaunt welche Vielfalt sich hier bietet. In unserem eigenen Garten gibt es zusammenhängende Vorgänge, die wir in Gänze gar nicht begreifen können. Wanzen, Marienkäfer, Ameisen, Blattläuse, Bienen, Hummeln, Grashüpfer… Die Liste der Lebewesen ist fast unendlich.

Es gibt nicht nur die einen…

Wenn ich folgend von Marienkäfern, Blattläusen und anderem Getier schreibe, muss man sich vor Augen halten, dass wenn man sagt „der Marienkäfer“ spricht man eigentlich eine Insektenfamilie mit weltweit über 6000 Arten an. Davon in Europa über 75 mit etlichen Arten und Unterarten die selbst nochmals sehr variabel sein können. Nicht anders ist es bei der Blattlaus von der ca. 800 Arten in unseren Breiten anzutreffen sind. Rede ich also von der Familie – so bleibt nichts anderes als zu verallgemeinern oder wenigstens die häufig vorkommenden Arten hervorzuheben.

Ein schönes Beispiel hier sind Engerlinge.

Vereinfacht gesagt: Engerlinge nennt man die Larven vieler Blatthorn- aber auch anderer Käfer. Fast jeder von uns kennt sie. Maikäfer, Rosenkäfer, Hirschkäfer, Nashornkäfer als Beispiele – ihre Larven werden alle Engerlinge genannt.
Gemeinhin hört man oft „Engerlinge sind Schädlinge, die Fressen die Wurzeln -du musst sie töten!“
Diese pauschale Aussage ist schlicht, Falsch! Genaugenommen nicht nur falsch, denn die Aufforderung die Larven direkt zu vernichten, verstößt bei z. B. Rosenkäfern sogar gegen die Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV). Auch, wenn sie nicht gegen selbige verstößt, ist es meist komplett Unnötig. Die Engerlinge der Rosenkäfer sind als Detritivoren ausgesprochene Nützlinge. „Detritivor“ hier genauer sogar Phytosaprophag bedeutet sie ernähren sich von totem, sich zersetzendem Pflanzenmaterial. Also interessiert den Rosenkäfer eure lebende Pflanze nicht die Bohne. Maikäfer Engerlinge wiederum ernähren sich auch von lebendigem Pflanzenmaterial im Boden also Wurzeln.

 

 

Eigentlich regelt die Natur das ganz allein.

Oben bereits erwähnt gehe ich noch mal näher darauf ein . In natürlich vorkommenden Ökosystemen gibt es viele ineinander greifende Vorgänge. So gleicht sich auch das Schädlings / Nützlings Verhältnis selbst aus, wenn es denn nicht durch harte Eingriffe oder Störungen aus dem Gleichgewicht gebracht wird.
Als schönes Beispiel kann man hier die Fichtenmonokultur ins Feld führen, die momentan unter der extrem gewachsenem Population von Borkenkäfern gerade zu vernichtet wird. Das passiert natürlich auch im Zusammenhang der geschwächten Bäume durch anhaltende Trockenheit. Monokultur ist aber genau hier das Wort, welches zeigt, dass es hier eben kein natürliches Ökosystem, sondern ein künstlich „hergestellter“ Waldtyp ist. Auf vielen Flächen würde dieser so überhaupt nicht vorkommen. So kann diese Monokultur wesentlich schlechter oder gar nicht ohne menschliches zu tun auf diese Situation reagieren.

 

Das selbst regulieren der verschiedenen Gegenspieler.

Es klingt fast schon wild romantisch, dass dies so funktionieren soll aber das tut es. Wie sonst hätte unsere Natur all die Zeit überdauert ohne unsere „Hilfe“ in Form von Herbizid, Pestizid oder Düngung? Den Vorgang der natürlichen Regulation nennt man auch „Regelkreislauf“. Heißt im besten Falle, die Nützlings-Population wächst mit der Schädlings-Population und umgekehrt. Greife ich also jetzt ein und versuche selbst etwas zu regulieren verhindere ich, dass sich ein Gleichgewicht einstellen kann.

Natürliches Ansiedeln von Nützlingen im Garten

Bitte nicht Falsch verstehen, ihr sollt jetzt nicht aktiv Schädlinge im Garten ansiedeln, um Nützlinge zu erhalten. Dieses Gleichgewicht stellt sich relativ gut selbst ein, wenn man es denn nun lässt. Damit man es aber gewähren lassen kann, bedarf es alle Teile des Nahrungsnetzes. Ein natürliches Ökosystem zu simulieren ist schwierig oder gar unmöglich außer man lässt seinen Garten komplett verwildern. Ein „kontrolliertes Chaos“ kann hier durchaus hilfreich sein. Auch das Fördern von Mischkultur oder „wilden Ecken“ im Garten kann zu einem Gesunden Gleichgewicht beitragen.

Eingriffe durch Pflanzenschutzmittel

Viele greifen direkt beim ersten Anzeichen von Schädlingen direkt zur Giftspritze oder dem Hausmittelchen. Verständlich und z.B. im Haus auch manchmal schwer umgänglich. „Bienenfreundlich“ oder „Für Bienen ungefährlich“ ist ein mittlerweile häufig anzutreffender Slogan auf den Verpackungen. Das ganze impliziert dem Benutzer „Hey – das tut den Nützlingen nichts!“
Stopp… Es ist eventuell nicht gefährlich für Bienen aber im Kleingedruckten ist dann doch so manch nützliches Lebewesen aufgeführt, das als Kollateralschaden mit Flöten geht. Neben den eventuell mit vernichteten Nützlingen werfe ich mit solchen Eingriffen eben wieder das eventuell gerade im Aufbau befindliche Gleichgewicht zurück.

Aktives ausbringen von Nützlingen.

Ich habe schon mal über ein Beispiel des aktiven einsetzen von Nützlingen geschrieben. In dem Falle waren es SF Nematoden gegen Trauermücken. SF beschreibt hier die Art des Fadenwurms also „Steinernema feltiae“. Es gibt etliche Arten von Nematoden mit jeweils anderen Abkürzungen für andere Einsatzgebiete. In der Anzucht nutze ich selbst noch Nematoden aber das Ausbringen im großen Stile im Freiland gibt es bei mir nicht. Nematoden sind relativ spezialisiert. Aber eben nicht immer auf genau das, was ich loswerden möchte.  Steinernema carpocapsae – als SC Nematode im Handel erhältlich wird gerne gegen Buchsbaumzünsler eingesetzt. Hierbei können auch Falter und andere Insekten dezimiert werden, die aber im Endeffekt keinen großen Schaden angerichtet hätten. Heißt, auch hier ist der Nutzen abzuwägen.

Beispiel: Asiatischer Marienkäfer

Ein bekanntes Beispiel ist der Einsatz des asiatischen Marienkäfers als biologischer Schädlingsbekämpfer in Gewächshäusern im großen Stil. Er schaffte es aus den Gewächshäusern zu „entkommen“ und breitete sich als invasive Art aus. Seine Überlegenheit zieht er aus bestimmten Proteinen, die ihn immun gegen manche Krankheit machen. Das verschafft ihm einen Vorteil gegenüber unseren heimischen Arten und es wird vermutet, dass er sie verdrängt. Ob man deswegen jetzt Anfangen muss diese Marienkäfer aktiv zu dezimieren, es wäre ohnehin ein Kampf gegen Windmühlen, darf man schwer anzuzweifeln.

 

Luca

Luca

Mein Name ist Luca, ich bin Jahrgang 90 und Natur begeistert seit frühster Kindheit. Nebenher bin ich auch Teilzeit-Chaot und versuche aus meinem "Trial and Error" Prinzip Erfahrungen zu gewinnen die ich weitergeben kann. Auch als Natur- und Umweltpädagoge lässt man mich manchmal auf die Menschheit los mit dem Ziel den Leuten die Natur näher zu bringen.

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